Der bei einer Überziehung des Girokontos gewährte Dispositionskredit wird bei vielen Banken trotz des Leitzins-Rekordtiefs noch immer sehr hoch verzinst. Daher sollte er nur im Notfall aufgenommen werden.
Während die Leitzinsen von Oktober 2008 bis Juni 2009 von 4,25 Prozent auf 1,0 Prozent rapide fielen, passten die Banken gleichzeitig ihre Kreditzinsen nur zögerlich an. Das gilt aber nicht nur für Ratenkredite, sondern vor allem für die sogenannten “Dispokredite”. Bei einer nicht ausreichenden Deckung des Girokontos werden diese von der Bank gewährt, um eine Schließung des Kontos zu vermeiden. Vermeiden sollten Kunden aber vielmehr die Dispositionskredite. Denn hier sind die durchschnittlichen Zinsen lediglich um sechs Prozent von 12,47 auf 11,75 Prozent gesunken, teilweise werden noch 15 Prozent und mehr verlangt.
Notfalltherapie
Verbraucherschützer fordern die Banken seit geraumer Zeit auf, endlich auch die Kreditnehmer an dem niedrigen Zinsniveau teilhaben zu lassen und nicht nur die Sparer damit zu belasten. Kritisiert wird vor allem, das gerade ärmere Bürger, die leichter in die roten Zahlen abrutschen, von den hohen Dispozinsen hart getroffen sind und durch sie leicht in eine Schuldenfalle geraten könnten. Den Kunden raten die Experten zunächst, eine Kontoüberziehung nur im äußersten Fall zuzulassen und einen Dispositionskredit nur im Notfall aufzunehmen. Keinesfalls sollte dieser für die Finanzierung von Anschaffungen, Reisen oder anderen nicht unbedingt notwendigen Dingen eingesetzt werden – lediglich die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit rechtfertige die Aufnahme, so der Appell.
Musste eine Dispokredit nun zwangsweise aufgenommen werden, muss das Ziel die schnellstmögliche Tilgung der Schulden sein. Dafür können auch Spareinlagen oder Hilfen von Verwandten oder Freunden herangezogen werden, die für ihre Leistungen keine horrenden Gebühren berechnen. Ist dies nicht möglich, bleibt noch die Umschuldung auf einen regulären Ratenkredit. Hier ist der Durchschnittszins im Verlauf der Krise zwar auch nur von 8,27 auf 7,96 Prozent gesunken, aber damit ist ein solcher in der Regel immer noch deutlich günstiger als ein Dispokredit. Außerdem ist die Transparenz und Tilgungsplanung beim Ratenkredit sehr viel besser möglich.